Hochwasser in Mitteleuropa

 

Das Hochwasser in Mitteleuropa von Ende Mai und Anfang Juni 2013 wurde durch tagelange Regenfälle verursacht. Insgesamt kam es in sieben Ländern zu schweren Überflutungen.

 

Wetterlage

Der gesamte Frühling 2013 war in Zentraleuropa verregnet, und er hatte spät begonnen. Der Mai war gebietsweise der niederschlagreichste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen; es hatte schon Anfang Mai Hochwasser gegeben

Ein Tiefdruckkomplex (Christopher/Dominik hatte sich in der letzten Mai-Dekade über Mitteleuropa ausgebildet, unmittelbar gefolgt von Frederik/Günther im Rahmen einer abnormalen Vb-Wetterlage und in Kombination mit ausgeprägten Höhentiefkerne in den ersten Junitagen 2013. Sehr feuchte Luft floss in weitem Bogen über Schwarzes Meer und Zentralosteuropa von Nordosten nach Mitteleuropa.

Tief Frederik, das für das Hauptereignis sorgte, hatte sich im östlichen Adriaraum entwickelt, war primär nordwärts gezogen und verharrte längere Zeit über den Ostalpen. Gegen Ende des Ereignisses kehrte es sogar seine Zugbahn um und wanderte entgegen dem Vb-Normalfall in den oberen Adriaraum zurück. 

Tief Günther, dann im nördlichen Karpatenbogen wetterbestimmend, bildete sich – ein seltener Fall – erst über Osteuropa. Blockiert wurde die Lage auch durch ein mächtiges Weißmeer-Hoch, das zeitgleich in Nordskandinavien für eine Hitzewelle und Waldbrandwarnungen sorgte (33 °C Startbyn in Schweden am Polarkreis, 31 °C Helsinki, Finnland). 

Insgesamt herrschte – wie schon bei der Kältewelle und der sommerlichen Unwetterserie des Vorjahres – eine wenig dynamische Lage der Aktionszentren der Nordhalbkugel. Der Jetstream war zu der Zeit weiter im Süden als gewöhnlich. Die Folge war eine „umgekehrte Omega-Lage“: Die zwischen zwei stabilen Hochdruckgebieten – einem (Sabine) über Ostatlantik bzw. Westeuropa und demjenigen über dem Weißmeerraum – liegenden Tiefdruckgebiete konnten sich kaum verlagern. Diese meteorologische Konstellation bestimmte das Wetter schon seit Wochen. 

Enorme Niederschläge, örtlich bis zu 400 mm in vier Tagen (Aschau-Stein, Bayern, 30. Mai – 3. Juni 2013), gab es im Nordstau der Alpen und auch im Erzgebirge–Sudeten-Bogen. Die vollständig gesättigten Böden und die durchweg gefüllten Überflutungspuffer konnten kaum mehr Wasser aufnehmen. Auf ersteres weisen auch Mikrowellenradiometer-Bilder des Satelliten SMOS hin. Dämpfend wirkte sich nur die extrem niedrige Schneefallgrenze aus; sie war Ende Mai teils auf 1000 m gesunken (Brunnenkogel, Tirol, 24. Mai, 3440 m: −15,7° C: Mariazell, Steiermark, 1000 m, 24. Mai: 0 °C), lag zum Höhepunkt des Niederschlagsereignisses im Alpenraum um 1500–1800 Meter und band einen Gutteil der Niederschläge. Laut Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes sind alleine in den betroffenen Bundesländern Bayern, Sachsen, Thüringen und Hessen in den vier Tagen des Starkregens zwischen 30. Mai und 2. Juni insgesamt 13,4 Milliarden Kubikmeter Niederschlag aufgezeichnet worden.
 

 

Abschätzung der Jährlichkeit

Das Ereignis wird durchweg als hundertjährliches Extremereignis eingestuft, sowohl was die Niederschlagsintensität betrifft als auch als Jahrhunderthochwasser (HQ100). Die Rekordwerte aus den Jahren 2002 und 2005 wurden im Alpen- und Donauraum an vielen Messstellen übertroffen, teils auch die des Donauhochwassers 1954, das als das schwerste des 20. Jahrhunderts gilt. Auch das Hochwasser im Elbegebiet 2002 wurde mindestens ab dem Pegel Dessau flussabwärts übertroffen.

Einen besonderen Spitzenwert erreichte das Hochwasser in Passau in Bayern. Dort wurde am Pegel Passau/Donau die 12,89-m-Marke erreicht, 69 cm höher als 1954 (12,20 m). Für das bisher höchste bekannte Hochwasser 1501 – allgemein für Mitteleuropa um HQ1000 (Jahrtausendhochwasser), teils noch deutlich höher geführt – wurde nach neueren Erkenntnissen ein Wasserstand bezogen auf den Donau-Pegel "Schanzlbrücke" ein Wasserstand von ca. 13,2 m rekonstruiert. Damit liegt es dort im Bereich eines 500-jährlichen Ereignisses. Der Stand beim möglicherweise noch höheren Magdalenenhochwasser vom 22. Juli 1342 ist nicht überliefert. Halle meldete den höchsten Stand der Saale seit 400 Jahren (Pegel Halle-Trotha: 8,10 m, 3. Juni morgens), Zeitz an der Weißen Elster in derselben Größenordnung „den höchsten jemals gemessenen Wert“ (6,45 m, 3. Juni). 
 

 

Verlauf des Hochwassers

In Deutschland hat das Hochwasser vor allem die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen betroffen: Zahlreiche Flüsse traten über ihre Ufer und auch andere größere deutsche Flusssysteme führten Hochwasser. In 55 Landkreisen musste Katastrophenalarm ausgerufen werden, vor allem in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
 

Brandenburg

Am 4. Juni wurde auch für einige Gebiete in Brandenburg, an der Spree, an der Schwarzen Elster und an der Mittleren Elbe die Hochwasserwarnstufe 4 ausgerufen. Um ein Überlaufen der Talsperre Spremberg zu verhindern, wurde verstärkt Wasser in die Spree abgelassen, was zu einer intensiven Verfärbung durch Eisenschlamm geführt hat. Die Talsperre Spremberg nimmt normalerweise einen Großteil der Abwässer aus dem Lausitzer Braunkohletagebau auf. 

Vor allem in der Kleinstadt Mühlberg wurden tagelang Dämme von bis zu 11 Metern Höhe errichtet, um ein erwartetes Hochwasser von der Stadt fernzuhalten. Dennoch wurden die Bewohner der Sicherheit halber angewiesen, ihre Häuser zu verlassen. Bis zum 8. Juni haben knapp 75 % der über 4300 Einwohner die Stadt verlassen. Zuletzt stand die Elbe bei 9,62 m.

 

 

Quelle: Wikipedia